Book versus E-Book

Erstmals seit einem Jahr habe ich mir ein Buch gekauft. Ein echtes Buch, schwer wie ein iPad und fünfmal so dick. Auf dem gelben Buchumschlag lächelt mich ein kleiner Junge an, Erich Kästner. Im Vorwort sagt er: „Manches ist bequemer geworden. Wurde es dadurch schöner?“

Zu Lebzeiten Kästners gab es weder eBooks noch eReader. Bücher kaufte man beim Buchhändler um die Ecke, ließ sich dort beraten und begeistern und kam mit stapelweise neuen Büchern nach Hause – wenn man es sich leisten konnte. Heute reicht zum Buchkauf ein einziger Klick. Bequemer: ja! Schöner?

Wer sich damals keine neuen Bücher leisten konnte oder wollte, schmökerte in der Bücherei, ließ sich von netten Bibliothekaren beraten und begeistern und kam mit stapelweise ‚neuen‘ Büchern nach Hause. Diese Variante gibt es NOCH. Zusätzlich bieten öffentliche Bibliotheken heute die ‚Onleihe‘. Laut Gebrauchsanleitung können eBücherwürmer sich per ‚Onleihe‘ bequem daheim eBooks auf den eReader laden. Nach Ablauf der Leihfrist verpufft das geliehene eBook quasi von selbst. Mahngebühren werden so nie fällig. Bequemer: Ja, wenn es funktioniert! Alle Glücklichen, die das geschafft haben, beneide ich um ihr Geschick und um ihre Geduld.

Manch ein Roman ist so klasse, dass ich FreundInnen daran teilhaben lassen will. Papierne Bücher kann ich weitergeben, aber eBooks? Bis jetzt fand ich keine Möglichkeit, sie auszuleihen, sie zu verschenken oder irgendwann mal zu vererben. Nur weiterempfehlen kann ich sie. Andere müssen sie selbst kaufen und können sie nur für sich lesen. Es sei denn, sie kennen eine Technik, die mir noch fehlt.

Was ist mit dem Leseerlebnis? So ein dickes Buch, das macht was her! Es füllt das Regal und fühlt sich gut an. Seite für Seite raschelt es beim Umblättern. Sein Geruch weckt Erinnerungen an viele spannende Lesestunden. Das Rascheln, das Umblättern, der Geruch – eines Tages ist das alles nur eine Frage der technischen eBook-Animation. Bequemer? Schöner?

Und wenn schon, die Inhalte zählen! Per Lese-App habe ich die auf dem Smart-Phone immer dabei, immer was zu lesen, in jeder Lebenslage. Sogar im Dunkeln, solange der Akku genug Strom hat. Und so wächst bei jedem meiner Geburtstage mein Stapel ungelesener Papierbücher, weil ich mit einem Klick ständig neue eBooks kaufe. Ach nein, ich kaufe nur die Lizenz, um sie zu lesen? Die eBooks gehören mir nicht, niemals? Wenigstens das war schon immer so:

Bequemlichkeit hat ihren Preis.

Veröffentlicht von

Jannechie Groz

Impressum: Verantwortlich für "Kölner Schneckenpost" & "Schreibwellness" ist Jannechie Groz Email: koelnerschneckenpost++gmx.de Adresse: Postfach 40 03 06, 50833 Köln

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