John Irvings Bestseller-Tipps

In seinem Roman „Letzte Nacht in Twisted River“ und bei einigen Lesungen gibt John Irving seine Herangehensweise beim Schreiben preis. Für alle, die von dem erfahrenen Autor lernen wollen, fasse ich hier seine Schreibregeln zusammen:

1.
Bevor Irving mit dem Schreiben einer Geschichte beginnt, kennt er den detaillierten Plot und den letzten Satz. So braucht er sich beim Schreiben nur auf Stil und Formulierungen zu konzentrieren.

2.
Figuren und Plot entwickeln sich langsam im Kopf des Autors. Während er über die jeweilige Figur und deren Stellung in der Story nachdenkt, fallen ihm wohl klingende Sätze ein. Diese heftet er an an die Wand, denn sie sind „Markierungen oder Wegweiser, die ihm bei der Orientierung helfen, während er das Kapitel verfasst.“

3.
Den Einstieg seiner Geschichten bildet meistens ein gravierendes Geschehnis, das bereits seinen Lauf nimmt und bei dem es kein Zurück mehr gibt.

4.
Irvings Figuren durchleben dessen schlimmsten Ängste und Alpträume, wodurch der Autor diese letztlich selbst verarbeitet.

5.
Wahre Gegebenheiten eignen sich nur dann als Stoff für fiktive Geschichten, wenn der Autor sie für für den Leser interessant macht. Irving erreicht das durch drei Mittel: Distanzierung, Übertreibung und Verfremdung.

6.
Gerade prägende Erlebnisse verwertet und verfremdet Irving in seinen Geschichten nur mit zeitlicher und innerer Distanz.

7.
Zusätzliche Spannung erzeugt Irving, indem er seinen Lesern einen Wissensvorsprung gegenüber den Protagonisten einräumt. Auch wenn der Leser das Ende ahnt, so bleibt er gespannt, wie es dazu kommen wird.

8.
Unwissen und Missverständnisse bei den Romanfiguren bewirken diese zusätzliche Spannung. Bei Figuren im Kindesalter sind Wissenslücken am leichtesten nachvollziehbar. Während des Heranwachsens schließen sich die Lücken, aber erst nachdem sie im Roman so Einiges angerichtet und die Geschichte vorangetrieben haben.

Welche dieser Bestseller-Regeln hältst du für die effektivste? Wieso?

Kreative Schreibtagung im März

TIPP: Wer gern schreibt und den kreativen Umgang mit Sprache liebt, ist bei den gar nicht typischen Jahrestagungen des Segeberger Kreises bestens aufgehoben. Statt passiv schier endlosen Vorträgen zu lauschen wird hier in Gruppen aktiv geschrieben, werden Schreibübungen reihum erfunden und direkt ausprobiert. Die Ergebnisse können sich sehen, lesen und hören lassen!

Es sind Geschichten, Essays und Gedichte ebenso wie Anleitungen und Erfahrungsberichte zu frisch erfundenen kreativen Schreibspielen. Nachzulesen sind sie in den Segeberger Briefen. Diese knapp 200-seitigen Büchlein, jeweils mit unterschiedlichem Tagungsmotto, bieten SchreiblehrerInnen und Schreiberlingen endlos viele Anregungen. Den TagungsteilnehmerInnen sind sie zudem eine schöne Erinnerung an intensive Schreibtage unter Gleichgesinnten.

Vom 3. bis 6. März 2016 tagen „die Segeberger“ in Münster, Motto: „Fluchten, Grenzgänge.“ Mittels Poesie und Literatur suchen die TeilnehmerInnen dann kreativ Fragen und Antworten zum Flucht-Thema. Wie waren Leben und Alltag vor der Flucht? Wie verarbeitet man den Verlust derer, die man liebt? Weitere Fragen, Denkansätze und Infos stehen im Vorbereitungsbrief, den auch Nicht-Mitglieder beim Segeberger Kreis bestellen können. Ob Mitglied oder nicht, alle Schreibbegeisterten sind bei der Tagung willkommen, wenn sie sich bis 10. Februar verbindlich anmelden.

Weitere Infos: http://www.segeberger-kreis.de/jahrestagung

Handgepäck für Schreibreisende

REZENSION: Entdeckt und sofort genutzt, den Reiseführer speziell für Schreiberlinge und Lesegenießer. „Kreativ unterwegs“ heißt das 92-seitige Taschenbuch, das es auch als eBook gibt. Verteilt auf zwanzig Kapitel präsentiert Autorin und Schreibdozentin Isa Schikorsky zwanzig „Schöne Orte zum Schreiben und Literaturerleben“. Literarische Besonderheiten der nicht alltäglichen Urlaubsorte sowie passende Schreibanregungen und Lese-Tipps erwecken den Wunsch, sofort dorthin aufzubrechen. Wie praktisch, im gleichen Kapitel zu lesen, wie man hinkommt und wo man vor Ort gut übernachten kann.

„Lernen Sie interessante Schreiborte in Deutschland kennen. (…) Was Sie brauchen, finden Sie in diesem Buch“, verspricht Isa Schikorsky in ihrem Vorwort. Ob es das Versprechen hält? Als langjährige Anbieterin von Stilistico-Schreibreisen konnte die Autorin aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen. Klar strukturiert und informativ wirkt das Buch schon auf den ersten Blick. Einer der vorgestellten Orte ist Dresden, wo ich neulich mit diesem Reiseführer kreativ unterwegs war. Zur Inspiration schickte er mich in Dresdens Neustadt auf Erich Kästners Spuren. Dort könne ich herausfinden, „was einen erfolgreichen Kinderbuchautor auszeichnet.“

Um Kästners „Geheimrezept für den Erfolg“ auszuprobieren, bietet das Kreativ-Buch zwei Schreibanregungen. Diese und alle anderen Schreibimpulse kann man gut auch woanders nutzen. Meine Texte dazu entstanden im Kellergewölbe der Frauenkirche. Besonders inspiriert und fasziniert haben mich Kästners Kindheitserinnerungen „Als ich ein kleiner Junge war“und das Erich-Kästner-Museum in der alten Villa seines Onkels – beides Tipps aus Isa Schikorskys Reiseführer. Ohne den hätte ich in der wiederaufgebauten Kulturstätte Essenzielles verpasst.

Fazit:
Empfehlenswert für alle, die gern schreiben und sich für Literatur interessieren.